In den ersten sieben Wochen dieses Jahres bekam die Klasse 4b der Glück auf! Grundschule Horhausen jeden Montag Besuch vom Musiker und Pädagogen Daniel Lipskey aus Niederelbert. (www.lipskey.de)

Die Klassenlehrerin Frau Weis hatte, angeregt durch eine frühere Aktion der Grundschule, den Kontakt hergestellt und initiierte eine Kooperation im Landesprogramm „Jedem Kind seine Kunst“ . (https://kulturland.rlp.de/de/kultur-vermitteln/jedem-kind-seine-kunst/)

„Klang mit allen Sinnen erleben und Instrumente bauen“ stand also nun auf dem Plan der Klasse.

Zum Start macht sich die Klasse auf den in Kinderkreisen einschlägig bekannten „Wichtelweg“ nach Bürdenbach. Unterwegs wird gehorcht und Geräusche werden gesammelt. Das Schwierigste beim Erhorchen der Umwelt ist erstmal, in der Gruppe ruhig zu sein und die Klänge zu minimieren, welche wir mit uns in die Welt tragen. Geräusche können gar richtig anstecken, wie wir am eigenen Leib erfahren, als eine gutgelaunte Klasse auf dem Rückweg vom Sportunterricht an der schweigend lauschenden 4b vorbeikommt.

Wir nehmen uns eine Wiese, stellen uns in einen großen Kreis und sind Bäume. Der Wind rauscht uns durch die Krone und kleine Mäuschen kitzeln an den Wurzelzehenspitzen. Wir lassen unseren Blick schweifen … stehen hier seit 1000 Jahren und erinnern uns, wie sich die Welt wohl früher anhörte … schließen die Augen und horchen ins Jetzt…

Was hörst du? – Was hörst du nicht? – Welche Geräusche empfindest du als angenehm, welche stören oder verängstigen dich? Das ist wichtig zu ergründen, denn immerhin finden wir in der Klasse einige ungeschrieben außergewöhnliche Karrieren, welche in naher Zukunft durch ihr Wirken als ArchitektIn, IngenieurIn, WissenschaftlerIn, HandwerkerIn oder PolitikerIn nicht unerheblich zur Gestaltung der Welt von Morgen beitragen werden.

                 Bevor wir am folgenden Montag auf die nächste Pirsch gehen, sortieren wir die gesammelten Geräusche der ersten Tour in verschiedene Kategorien: in Natur- und Zivilisationsgeräusche, in angenehm und unangenehm. Warum lag an der Firma ein Brummen in der Luft? Wieso antwortete uns an der Grillhütte ein Echo aus dem Tal, im Tal selber aber keins von der Hütte? Ein Klang, der uns durchgehend begleitete, war der von gutgelaunten, neugierig aufgeschlossenen Kindern.

Auf dem zweiten Weg Richtung Pleckhausen hört man im Grenzbachtal viele Vögel, findet aber leider auch eine Menge Plastikmüll, welcher mit den Geräuschen der nahen Bundesstraße vom Wind in die Hecken und Büsche getragen wird, welche – sofern nicht durch die etwas quirlige Gruppe vertrieben – von vielfältigem Vogelgezwitscher erfüllt sind.

Komische Hausaufgaben gibt es: „Was ist das letzte, was du vor dem Einschlafen hörst, und mit welchem Geräusch beginnst du den Tag?“

 

 

Auf einer weiteren Exkursion in den Wiesengrund sind wir überrascht, wie vielfältig sich so ein einzelner Bachlauf anhören kann.

Oh ja – was macht Geräusche eigentlich zu Musik? Um das herauszufinden baute jedes Kind unter fachkundiger Anleitung des Künstlers aus alten Blechbüchsen und etwas Zubehör einen Diddley Bow. (https://de.wikipedia.org/wiki/Diddley_Bow)

Und siehe da, was ein Spaß! Das Ding entlockt selbst ungeübten Fingern nach kurzem Rumprobieren Musik.

Text: Daniel Lipskey
Fotos: Vera Weis